Adaptives
Liefernetzwerk

Adaptives Liefernetzwerk

Mit KI und Prescriptive Analytics zu flexiblen und adaptiven Lieferketten

Kürzlich stand ich in unserem örtlichen Supermarkt vor einem vollen Regal mit Mehl zu Sonderpreisen und wurde plötzlich nachdenklich: Was da so lieblos gestapelt zu Centbeträgen zum Verkauf stand, wurde zu Beginn der Corona-Pandemie wie „weißes Gold“ gehandelt. Also alles beim Alten in Sachen Versorgung? Weit gefehlt! Bei vielen Dingen des täglichen Bedarfs mussten wir uns an lange Lieferzeiten oder Engpässe gewöhnen. Das kennt jeder, der derzeit auf ein bestelltes Möbelstück oder ein neues Auto wartet – von der Situation bei manchen Medikamenten ganz zu schweigen.

Deshalb möchten wir uns in diesem Blogbeitrag noch einmal den Lieferketten widmen und darüber sprechen, warum es so wichtig geworden ist, dass sie sich an veränderte Situationen anpassen können.

Auf dem Weg in die Polykrise

Vor der Corona-Pandemie wurden Lieferketten auf maximale Effizienz getrimmt. Das bedeutete, dass sie oftmals sowohl lang als auch unflexibel waren. Es wurde möglichst kostengünstig eingekauft, lange Transportzeiten wurden einkalkuliert und Skaleneffekte vorausschauend genutzt. Und solange die äußeren Rahmenbedingungen bekannt waren und auch stabil blieben, funktionierte dieses System jahrelang hervorragend. Bis … ja, bis es irgendwann nicht mehr funktionierte und die Disruption mit aller Macht die Weltbühne betrat.

Zwischen 2020 und 2024 hatten wir eine Pandemie, zahlreiche Naturkatastrophen wie Dürren, Waldbrände und mehrere Überschwemmungen. Aber auch auf politischer Ebene wurde das System, wie wir es kannten, in seinen Grundfesten erschüttert. Nationalismus und Protektionismus kehren in vielen Ländern zurück. Strafzölle und Handelskriege sind an der Tagesordnung. Bewaffnete Konflikte und offene Kriege machen in vielen Teilen der Welt Schlagzeilen. Terrorismus und Cyberattacken halten die Welt in Atem. Zudem ist das Schreckgespenst der Inflation zurückgekehrt und der sich ausbreitende Fachkräftemangel gefährdet nachhaltig den Wohlstand der Industrienationen. Das alles sind düstere Entwicklungen und nicht Wenige sprechen in diesem Zusammenhang bereits von einer heraufziehenden Polykrise – einer Krise, die sich scheinbar anschickt, zum neuen Normalzustand zu werden.

Doch welche Möglichkeiten haben Supply Chain Manager, dieser Entwicklung zu begegnen?

Maßnahmen für adaptive Supply Chains

Es gibt verschiedene Maßnahmen, um Lieferketten flexibler zu gestalten. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass es sich dabei eher um Maßnahmen zur Schadensbegrenzung handelt. Es geht also darum, den Schaden durch disruptive Ereignisse so gering wie möglich ausfallen zu lassen, und weiterhin einen definierten Servicelevel so kostengünstig wie möglich aufrechtzuerhalten.

Risikoabwägung im Vorfeld

Die Absicherung von Risiken verursacht Kosten. Deshalb ist es wichtig, das Risikopotenzial im Vorfeld genau zu prüfen. Die Risikobereitschaft eines Unternehmens hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören die Unternehmensstrategie, die Märkte und potenzielle Ausfallkosten bei der Beschaffung. Ein Anbieter von preiswerten Massenprodukten sollte weiterhin besonders günstig einkaufen, auch wenn das Ausfallrisiko steigt. Ein Premiumanbieter sollte vorsichtiger agieren, um Prestigeverluste durch Lieferausfälle zu vermeiden. Es lohnt sich darüber hinaus zu prüfen, ob andere Stakeholder wie Kund*innen oder der Staat die Kosten für die Absicherung ganz oder teilweise übernehmen können.

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Warum Supply Chain Analytics?

Fokussierung auf Kernbereiche

Dieser Abschnitt knüpft an die Überlegungen zur Risikobewertung an. Es stellt sich die Frage, ob es notwendig ist, die gesamte Lieferkette umfassend zu schützen, oder ob es ausreicht, sich auf bestimmte Kernbereiche zu beschränken. Ist es vielleicht ausreichend, den Schutz auf einzelne Produkte oder Standorte zu fokussieren? Ein Beispiel hierfür wäre ein Waschmittelhersteller, der sowohl ein Premium- als auch ein No-Name-Produkt auf identischen Maschinen herstellt. m Falle eines disruptiven Ereignisses besteht die Möglichkeit, dass der Hersteller Ressourcen zugunsten des Premiumprodukts umverteilt. So könnte er den Ausfall des margenschwachen Segments in Kauf nehmen, um seine Premiummarke zu schützen, anstatt die Produktion in beiden Segmenten einzustellen.

Multi-Sourcing

Durch die Verteilung der Aufträge auf mehrere Lieferanten gehen zwar Skaleneffekte bei den Preisverhandlungen verloren. Andererseits wird das Risiko eines Lieferantenausfalls gestreut. Bei der Auswahl der Lieferanten ist zu berücksichtigen, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit mit der Länge und Komplexität der Lieferkette zunimmt. Es kann sich lohnen, ein Lieferantenportfolio aufzubauen, das Anbieter mit kurzen und langen Lieferwegen aus verschiedenen Ländern kombiniert. Bestehende Lieferbeziehungen sollten regelmäßig überprüft und neue Quellen kontinuierlich gesucht und identifiziert werden.

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Transparenz in der Lieferkette schaffen

Liefernetzwerke können sehr komplex sein, und für Supply Chain Manager ist es bereits häufig eine Herausforderung, den Überblick über die Lieferantenbeziehungen auf der ersten Ebene zu behalten. Um potenzielle Störungen in der Lieferkette frühzeitig zu erkennen, ist ein tieferes Verständnis erforderlich. Idealerweise sollten Planer*innen, Supply Chain Manager und Einkäufer*innen bei ihren Entscheidungen auch die zweite und dritte Ebene – also die Lieferanten der Lieferanten – im Blick haben. Kennzahlen wie Auftragseingang, Lagerbestände der benötigten Rohstoffe, Produktionsfortschritt, Versanddetails, Abweichungen vom Plan und vieles mehr sind die Informationen, die ein Frühwarnsystem benötigt, um rechtzeitig vor möglichen Ausfällen zu warnen. Ein denkbarer Reaktionsschritt auf eine solche Warnung könnte die Erhöhung der Sicherheitsbestände bestimmter Komponenten und Rohstoffe sein.

Erhöhung der Sicherheitsbestände

Die Erhöhung der Sicherheitsbestände in der Supply Chain kann die Flexibilität und Sicherheit steigern, da sie als Puffer gegen Störungen eingesetzt werden können. Dadurch wird die Lieferkette robuster und Lieferzeiten lassen sich verkürzen. Höhere Lagerbestände führen jedoch zu höheren Lagerkosten und einem höheren Kapitalbedarf. Außerdem können Unternehmen ineffizienter arbeiten, wenn sie sich zu sehr auf Lagerhaltung verlassen und wesentliche Probleme in der Lieferkette nicht angehen. Ein ausgewogener Ansatz ist daher wichtig, um die Vorteile gegen die potenziellen Nachteile abzuwägen.

KI-gestützte Supply Chain Planung

Die Fülle an Informationen, Daten und Entscheidungen macht eine herkömmliche Planung mit Excel-Tabellen nahezu unmöglich. Mit KI-gestützter Planung können Lieferketten aus unzähligen Möglichkeiten so gestaltet werden, dass sie optimal zu Zielen wie Flexibiltät, Resilienz und Kostenoptimierung beitragen. Basierend auf historischen, aktuellen und prognostizierten Daten identifiziert das System mittels maschinellem Lernen die zu schützenden Bereiche und berechnet die Kosten einer möglichen Lösung zur Erhöhung der Resilienz. Dank Prescriptive Analytics erstellt es nicht nur die optimale Planung für das geforderte Sicherheitsniveau, sondern berücksichtigt auch nur die Varianten, die gleichzeitig maximal kosteneffizient sind. Darüber hinaus erhalten Planende und Supply Chain Manager konkrete Handlungsempfehlungen, um die definierten Ziele zu erreichen. Für die strategische Planung können Entscheidungsträger zudem die Auswirkungen mittels Was-wäre-wenn-Szenarien simulieren und auf alle relevanten Kennzahlen herunterbrechen.

Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren Maßnahmen ergriffen, um ihre Lieferketten zu sichern und flexibel zu halten. Dies hat jedoch die Komplexität der Planung und des Managements von Lieferketten stark erhöht. Die gute Nachricht: Je höher die Komplexität, desto größer das Einsparpotenzial durch den Einsatz von KI-gestützter Planung und mathematischer Optimierung. Unternehmen, die sich frühzeitig mit den Möglichkeiten eines solchen Ansatzes auseinandersetzen, werden einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil für sich beanspruchen können.

Was das Mehl betrifft: Manchmal scheint es, als brauche es den Mangel, damit wir wieder schätzen lernen, wie unglaublich privilegiert wir in den westlichen Gesellschaften leben. Mehl gibt es in jedem Supermarkt (wieder) im Überfluss – seien wir dankbar dafür!

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Denise Lelle
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