Dynamische Netzwerkneuausrichtung von Supply Chains

Wie Unternehmen Unsicherheit aktiv managen und durch Szenarien, Daten und Struktur zu besseren Entscheidungen gelangen

Lieferketten werden volatiler, Märkte verändern sich schneller und viele Entscheidungen müssen unter Unsicherheit getroffen werden.
Gleichzeitig zeigt sich in der Praxis, dass Herausforderungen in Logistiknetzwerken selten durch einzelne große Veränderungen entstehen – sondern oft durch die Summe vieler kleiner Anpassungen, die über die Zeit ihre Wirkung entfalten.

Woran Unternehmen erkennen, dass ihr Netzwerk nicht mehr optimal aufgestellt ist, warum klassische Planungsansätze dabei an ihre Grenzen stoßen und wie sich Netzwerke gezielt weiterentwickeln lassen – darüber sprechen wir mit Yenal Ersen, Head of Business Development bei OPTANO.

Wenn man heute auf Supply Chains schaut, scheint Unsicherheit eher der Normalzustand zu sein als die Ausnahme. Wie stark prägt dieses Thema aktuell die Realität in den Unternehmen, mit denen du sprichst?

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Yenal Ersen
Head of Business Development

Die Wahrnehmung von Unsicherheit als „neuer Normalzustand“ trifft die Realität vieler Unternehmen sehr genau. Zwar war Volatilität schon immer Teil von Supply Chains, sie hat jedoch strukturell zugenommen – etwa durch schwankende Nachfrage, volatile Kosten und geopolitische Einflüsse. Dadurch verlieren Planungsannahmen heute deutlich schneller ihre Gültigkeit.

Klassische Planungszyklen, etwa auf Jahres- oder Quartalsbasis , reichen oft nicht mehr aus, um mit der Dynamik Schritt zu halten. Gleichzeitig nimmt die Prognosegüte deutlich ab. Viele Unternehmen lösen sich daher von der Idee präziser Punktprognosen und setzen verstärkt auf Szenarien. Dies ist ein Ansatz, den auch Zukunftsforscherin Florence Gaub in ihrem Buch „Zukunft“ als zentral für den Umgang mit Unsicherheit hervorhebt.

Zudem wächst die Lücke zwischen Planung und Realität und Unternehmen müssen häufiger kurzfristig eingreifen, um Abweichungen zu korrigieren. Die Frequenz von Entscheidungen steigt, während ihre Qualität unter der Unsicherheit leidet. Der entscheidende Wandel liegt dabei nicht nur in der Planung selbst, sondern in der Art, wie Entscheidungen getroffen werden: weg von vermeintlicher Prognosesicherheit hin zu belastbaren Entscheidungen unter Unsicherheit.

„Wenn operative Symptome zunehmen, liegt die Ursache oft im Netzwerkdesign.“

Viele Netzwerke sind über Jahre gewachsen und haben lange gut funktioniert.
Gleichzeitig hören wir immer häufiger, dass genau diese Strukturen an ihre Grenzen stoßen. 

Wenn du aus einer strategischen Perspektive darauf schaust: Ab wann wird aus einem funktionierenden Netzwerk ein Problem – und welche Entwicklungen führen typischerweise dazu?

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Yenal Ersen
Head of Business Development

Viele Netzwerke sind über Jahre gewachsen und wurden dabei selten ganzheitlich im Rahmen der strategischen Planung überprüft, sondern eher fortgeschrieben. Entsprechend verlieren sie oft schrittweise an Leistungsfähigkeit. Kritisch wird es immer dann, wenn die ursprünglichen Designannahmen nicht mehr greifen, etwa in Bezug auf Mengen, Kosten oder Serviceanforderungen.

Hinzu kommt, dass lokale Optimierungen häufig zu global suboptimalen Ergebnissen führen, insbesondere wenn die Transparenz über End-to-End Zusammenhänge und Zielkonflikte fehlt. Dadurch wird das Netzwerk nicht nur schwer steuerbar, sondern auch zunehmend teuer im operativen Betrieb und in der Anpassung.

Diese Entwicklung bleibt oft lange unbemerkt und zeigt sich zunächst nur indirekt, etwa in steigenden Kosten pro Einheit, sinkenden Servicelevels oder wachsenden Beständen als Kompensationsmechanismus. Spätestens dann wird deutlich, dass das bestehende Netzwerk nicht mehr zu den aktuellen Anforderungen passt.

Optimierung in der Handelslogistik

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Wenn man das einmal aus dem Tagesgeschäft betrachtet:
Woran merken Unternehmen ganz konkret, dass ihr Netzwerk nicht mehr optimal aufgestellt ist? Also weniger auf strategischer Ebene, sondern wirklich im operativen Alltag – gibt es typische Situationen oder Muster, die immer wieder auftreten?

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Yenal Ersen
Head of Business Development

Im operativen Alltag zeigt sich ein nicht optimal aufgestelltes Netzwerk meist durch wiederkehrende Reibungsverluste und zunehmende Komplexität. Typisch sind etwa häufige Ad hoc-Umlagerungen oder kurzfristige Umplanungen, die notwendig werden, um aktuelle Engpässe oder Ungleichgewichte auszugleichen.

Oft steigen die Kosten, ohne dass eine klare strukturelle Ursache erkennbar ist, während die Auslastung einzelner Standorte, Relationen oder Kapazitäten sinkt. Auch die Planungsprozesse werden zunehmend von Ausnahmen geprägt, was ihre Stabilität und Effizienz beeinträchtigt.

Ein weiteres Zeichen sind verlängerte Entscheidungszyklen, da der Abstimmungsbedarf zwischen verschiedenen Bereichen wächst. Nicht selten entstehen wiederkehrende Diskussionen über einzelne Standorte, ohne dass daraus nachhaltige Lösungen hervorgehen. Charakteristisch ist dabei, dass viele dieser Symptome parallel auftreten, während die eigentliche strukturelle Ursache im Netzwerk lange unklar bleibt.

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Der Begriff „dynamische Netzwerkneuausrichtung“ klingt zunächst recht abstrakt und ist nicht unbedingt etwas, womit viele Unternehmen im Alltag direkt arbeiten.

Wenn wir das einmal etwas greifbarer machen: Was steckt konkret dahinter – und was unterscheidet diesen Ansatz von dem, wie Netzwerkdesign klassischerweise betrieben wird?

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Yenal Ersen
Head of Business Development

Hinter dem Begriff der dynamischen Netzwerkneuausrichtung steckt im Kern ein Perspektivwechsel im Umgang mit Netzwerkdesign. Während dieses klassischerweise oft als punktuelles Projekt verstanden wird, etwa im Rahmen größerer Transformationen, geht es hier um eine kontinuierliche Bewertung und Weiterentwicklung der Netzwerkstruktur.

Zentral ist dabei eine szenariobasierte Analyse, die unterschiedliche Entwicklungen von Nachfrage, Kosten und Rahmenbedingungen systematisch berücksichtigt. Statt auf eine einzelne Zielstruktur hinzuarbeiten, werden mehrere, strukturell unterschiedliche Netzwerkoptionen miteinander verglichen. Dabei werden auch Restriktionen und Zielkonflikte, etwa zwischen Kosten, Service und Kapazität, explizit abgebildet.

Ein weiterer Unterschied liegt in der engen Verzahnung von strategischem Design und operativer Umsetzbarkeit. Unterstützt durch Optimierungsmodelle können so robuste und realistisch umsetzbare Netzwerkstrukturen identifiziert werden. Ziel ist dabei nicht die eine vermeintlich optimale Lösung, sondern belastbare Entscheidungsoptionen, die auch unter Unsicherheit tragfähig sind.

„Von Prognosen zu Optionen – warum Entscheidungen heute szenariobasiert getroffen werden müssen.“

Ein großer Teil strategischer Netzwerkentscheidungen muss heute unter Unsicherheit getroffen werden – etwa weil sich Nachfrage, Kosten oder Serviceanforderungen nur begrenzt verlässlich prognostizieren lassen.

Gleichzeitig sehen wir in der Praxis sehr unterschiedliche Herangehensweisen: Manche Unternehmen versuchen, möglichst lange auf klare Informationen zu warten, während andere bewusst mit Szenarien und Annahmen arbeiten.

Wie erlebst du das in deinen Projekten – und was unterscheidet aus deiner Sicht diejenigen Organisationen, die mit dieser Unsicherheit gut umgehen, von denen, die sich damit schwer tun?

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Yenal Ersen
Head of Business Development

In der Praxis zeigt sich ein klarer Unterschied: Während weniger reife Organisationen Entscheidungen aufschieben oder stark auf Erfahrung basieren, treffen führende Unternehmen aktiv Entscheidungen unter Unsicherheit.

Daten und Modelle helfen dabei, Auswirkungen quantifizierbar zu machen und Transparenz zu schaffen. Gleichzeitig werden Zielkonflikte, etwa zwischen Kosten und Resilienz, explizit gemacht und in die Abwägung einbezogen. Wichtig ist letztlich die Fähigkeit, auch unter Unsicherheit fundierte und nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen. Der wesentliche Unterschied liegt somit nicht in der Qualität der Daten, sondern in der Fähigkeit, auf ihrer Basis belastbare Entscheidungen zu treffen.

Wenn Unternehmen beginnen, ihr Netzwerk nicht nur aus einer Perspektive zu betrachten, sondern verschiedene Szenarien oder Strukturvarianten systematisch durchzuspielen und miteinander zu vergleichen:

Welche typischen Erkenntnisse entstehen dabei – also was sind die Momente, in denen sich der Blick auf das eigene Netzwerk wirklich verändert?

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Yenal Ersen
Head of Business Development

Sobald Unternehmen beginnen, ihr Netzwerk systematisch über verschiedene Szenarien und Strukturvarianten hinweg zu analysieren, entstehen oft sehr grundlegende neue Einsichten. Häufig werden versteckte Ineffizienzen erstmals quantifizierbar und damit überhaupt sichtbar.

Darüber hinaus zeigt sich, wie stark einzelne Netzwerkentscheidungen miteinander verknüpft sind. Schon kleinere Veränderungen, etwa in der Nachfrage, können unerwartet große strukturelle Effekte auslösen. Gleichzeitig werden Zielkonflikte zwischen Kosten, Service und Resilienz deutlich transparenter.

Ein besonders prägender Moment entsteht, wenn datenbasierte Ergebnisse bisherige Intuitionen infrage stellen. Dadurch verschieben sich Diskussionen weg von Meinungen hin zu klar quantifizierten Entscheidungsräumen. Dabei lassen sich auch sogenannte No-Regret-Maßnahmen identifizieren – also Entscheidungen, die in nahezu allen Szenarien vorteilhaft sind.

„Strukturiert statt komplex – so gelingt ein pragmatischer Einstieg in die dynamische Netzwerkneuausrichtung.“

Viele Unternehmen interessieren sich für das Thema, sind aber unsicher, wie ein Einstieg konkret aussehen kann – gerade ohne direkt ein größeres Projekt anzustoßen.

Wie gehst du in solchen Situationen vor, und wie unterstützt OPTANO Unternehmen dabei, sich dem Thema strukturiert, aber pragmatisch zu nähern?

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Yenal Ersen
Head of Business Development

In diesen Situationen starten wir bewusst mit einer klar abgegrenzten Fragestellung, anstatt direkt ein großes Transformationsprojekt aufzusetzen. Typischerweise analysieren wir zunächst ein konkretes Szenario, etwa eine Veränderung in der Nachfrage, um gezielt erste Erkenntnisse zu gewinnen.

Dabei arbeiten wir pragmatisch mit den vorhandenen Daten, ohne auf ein perfektes Setup zu warten. Innerhalb weniger Wochen – typischerweise innerhalb von vier Wochen – lassen sich so erste Simulationen und Szenariovergleiche durchführen, die schnell greifbare Ergebnisse liefern.

Der Ansatz ist bewusst iterativ: Aufbauend auf den ersten Erkenntnissen werden weitere Fragestellungen ergänzt und schrittweise vertieft. OPTANO bringt dabei vor allem methodische Struktur und datenbasierte Analyse ein. Ziel ist es, Transparenz zu schaffen und eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu liefern, ohne den Einstieg unnötig zu verkomplizieren.

Ein gemeinsamer Blick auf eine konkrete Fragestellung zeigt schnell, welches Potenzial in Ihrem Netzwerk steckt und wo gezielte Anpassungen den größten Hebel bieten.

Logistiknetzwerke müssen heute mehr leisten als je zuvor: Sie sollen effizient, stabil und gleichzeitig anpassungsfähig sein.

Die Herausforderung besteht dabei weniger darin, die „eine richtige“ Struktur zu finden – sondern darin, Netzwerke kontinuierlich weiterzuentwickeln und Entscheidungen unter sich verändernden Rahmenbedingungen fundiert treffen zu können.

Datenbasierte, szenariogestützte Analysen schaffen dafür die notwendige Transparenz, um Zusammenhänge sichtbar zu machen und unterschiedliche Handlungsoptionen bewerten zu können.

Wer sein Netzwerk in diesem Sinne aktiv gestalten möchte, kann diesen Weg gemeinsam mit OPTANO gehen. Kontaktieren Sie uns!

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns!

Denise Lelle

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 Business Development Manager