Verborgene Potenziale im Linehaul heben
Wie datenbasierte Analysen helfen, Konsolidierungspotenziale im Linehaul sichtbar zu machen
Viele Linehaul-Netzwerke funktionieren im Alltag zuverlässig. Fahrpläne stehen, Prozesse greifen, die Abläufe sind eingespielt. Und trotzdem zeigt sich bei genauerem Hinsehen häufig: Nicht alles, was funktioniert, ist auch wirklich effizient.
Woran liegt das – und wie lassen sich bestehende Strukturen gezielt hinterfragen?
Darüber sprechen wir mit Christina Gödecke, Senior Account Executive bei OPTANO, die sich in ihrer täglichen Arbeit mit der Analyse logistischer Netzwerke und den Herausforderungen moderner Transportplanung beschäftigt.
Du bist viel im Markt unterwegs und sprichst regelmäßig mit Entscheidern aus der Logistikbranche. Welche Themen prägen derzeit die Diskussionen?
Hohe Energiekosten, steigende Nachhaltigkeitsanforderungen und intensiver Wettbewerb setzen viele Transportnetzwerke unter erheblichen Effizienzdruck – egal ob im Kurier-, Express- und Paketbereich oder im Stückgut- und Teilladungsverkehr. Gleichzeitig sind klassische Kostensenkungsprogramme in vielen Unternehmen längst umgesetzt.
Trotzdem zeigt sich in der Praxis immer wieder: Gerade im Hauptlauf bleiben Konsolidierungspotenziale häufig unentdeckt. Netzwerke sind über Jahre gewachsen, Abhängigkeiten komplex, und im operativen Alltag fehlt oft die Transparenz, um ineffiziente Strukturen systematisch zu erkennen.
Dabei liegt genau im Sichtbarmachen solcher Potenziale eine der Möglichkeiten, auch kurzfristig zusätzliche Einsparungen zu realisieren.
Viele Unternehmen sind seit Jahren erfolgreich am Markt und ihre Mitarbeitenden verfügen über viel Erfahrung. Wenn wir nun sagen, dass Konsolidierungspotenziale im Hauptlauf oft nicht vollständig genutzt werden, klingt das zunächst einmal gewagt. Oder?
Wir maßen uns nicht an, es besser zu wissen als die Expertinnen und Experten in den Unternehmen. Unser Ziel ist es vielmehr, zusätzliche Transparenz zu schaffen und Entscheidungsunterstützung zu bieten.
Viele Ineffizienzen sind im operativen Alltag nicht sofort sichtbar. In realen Netzwerken finden sich häufiger als gedacht Strukturen mit geringer Auslastung, redundanten Routen oder unnötigen Parallelverkehren.
Ein Grund dafür ist, dass Daten oft nicht zentral verfügbar sind oder nicht gezielt genutzt werden, um Transparenz zu schaffen. Gleichzeitig sind viele Netzwerke historisch gewachsen und verändern sich kontinuierlich. Unter diesen Bedingungen den Überblick zu behalten und mit möglichst geringem Aufwand ineffiziente Strukturen zu erkennen, ist für Planerinnen und Planer eine echte Herausforderung.
„Viele Ineffizienzen in Linehaul-Netzwerken sind im operativen Alltag schlicht nicht sichtbar.“
OPTANO ist bekannt für ausgefeilte mathematische Optimierungslösungen. Der Linehaul Analyzer ist jedoch bewusst als Einstieg in die datenbasierte Optimierung von Linehaul-Netzwerken konzipiert. Was genau macht der Linehaul Analyzer und welchen Überblick verschafft er Planungsverantwortlichen?
Der erste Schritt ist Transparenz. Der Linehaul Analyzer schafft einen klaren Überblick über Fahrten, Auslastung und die damit verbundenen Kosten. Schon mit wenigen Datenpunkten lassen sich dadurch Ineffizienzen und Redundanzen im Netzwerk sichtbar machen. Der Algorithmus analysiert bestehende Fahrpläne und identifiziert gezielt Fahrten, die sich konsolidieren lassen.
Das System macht konkrete Vorschläge, welche Verbindungen zusammengelegt werden könnten und wie sich diese Änderungen auf das Netzwerk auswirken. Dadurch erhalten Planungsverantwortliche erstmals eine datenbasierte Perspektive auf Strukturen, die im Tagesgeschäft oft schwer zu erkennen sind.
Der Linehaul Analyzer ersetzt dabei nicht den Menschen. Vielmehr unterstützt er die Entscheidungsfindung. Vorschläge können geprüft, kommentiert, angenommen oder bewusst verworfen werden. Auf diese Weise verbindet der Linehaul Analyzer die Erfahrung der Planerinnen und Planer mit der Transparenz und Analysefähigkeit eines datenbasierten Systems.
„Der Linehaul Analyzer ersetzt nicht den Menschen, er macht Strukturen sichtbar, die vorher verborgen waren.“
Der Linehaul Analyzer arbeitet bewusst mit wenigen Daten und konzentriert sich auf zentrale Hebel im Netzwerk. Wo liegen dabei die Grenzen dieses Ansatzes?
Wir arbeiten beim Linehaul Analyzer arbeitet bewusst mit einem reduzierten Modell des Netzwerks. Im Mittelpunkt stehen Fahrplan, Auslastung und Kosten. Dadurch lässt sich sehr schnell analysieren, wo Konsolidierungsmöglichkeiten bestehen könnten. Gleichzeitig bedeutet dieser Ansatz aber auch, dass komplexere Abhängigkeiten zunächst nicht berücksichtigt werden.
In umfassenderen Transportoptimierungen können beispielsweise Schichtzeiten an Umschlagpunkten, unterschiedliche Lead-Times einzelner Produkte oder weitere operative Restriktionen modelliert werden. Der Linehaul Analyzer verzichtet bewusst auf diese Detailtiefe, um einen schnellen und pragmatischen Einstieg zu ermöglichen.
Gerade für Organisationen, die bisher wenig Erfahrung mit datenbasierter Optimierung haben, ist das ein großer Vorteil. So lassen sich mit überschaubarem Aufwand erste Potenziale sichtbar machen. Wenn Netzwerke später detaillierter analysiert oder vollständig optimiert werden sollen, können zusätzliche Abhängigkeiten und Restriktionen berücksichtigt werden. In solchen Fällen kommen die umfassenderen Optimierungslösungen aus dem OPTANO Portfolio zum Einsatz.
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Das Prinzip klingt nachvollziehbar, wirkt aber trotzdem ein wenig wie eine Blackbox. Kannst du an einem konkreten Beispiel erklären, an welchen Stellschrauben der Linehaul Analyzer ansetzt und was das in der Praxis bedeutet?
Ja klar: Nehmen wir eine Start-Ziel-Relation, auf der mehrere Fahrten pro Tag stattfinden. Gleichzeitig existieren zeitlich ähnliche Verbindungen zwischen räumlich nahegelegenen Standorten.
Im Linehaul Analyzer kann beispielsweise festgelegt werden, wie stark sich Abfahrts- oder Ankunftszeiten verschieben dürfen, um zusätzliche Konsolidierungsmöglichkeiten zu schaffen. Ebenso lässt sich definieren, wie viel Umweg von einer bestehenden Strecke akzeptabel ist. Weitere Parameter sind etwa die maximale Länge einer konsolidierten Strecke, um zu kurze Multi-Stopp-Fahrten zu vermeiden, die durchschnittliche Fahrtgeschwindigkeit oder die Dauer eines Stopps.
Auf Basis dieser Einstellungen sowie von Kostensätzen und Distanzinformationen analysiert das System, welche Verbindungen sich sinnvoll zusammenlegen lassen. Daraus können unterschiedliche Varianten entstehen. In manchen Fällen wird vorgeschlagen, eine Fahrt vollständig zu streichen, wenn die gesamte Ladung auf eine spätere Verbindung mit identischer Strecke verlagert werden kann. In anderen Fällen entstehen Multi-Stopp-Verbindungen, bei denen Relationen zu nahegelegenen Orten in einer gemeinsamen Fahrt zusammengeführt werden.
Das Ergebnis ist zunächst eine Übersicht möglicher Konsolidierungen. Für eine entfallende Fahrt ergeben sich häufig mehrere Alternativen, aus denen Planerinnen und Planer auswählen können.
Wird eine Option angenommen, berechnet das System die Auswirkungen erneut und passt die verfügbaren Kapazitäten entsprechend an. So lässt sich Schritt für Schritt durch die möglichen Änderungen arbeiten. Wenn noch Unsicherheit besteht, können Vorschläge kommentiert oder für eine spätere Entscheidung gespeichert werden. Auch Notizen für Kolleginnen und Kollegen lassen sich direkt hinterlegen.
Am Ende entsteht eine Übersicht aller akzeptierten Änderungen, die als Grundlage für die Anpassung des Fahrplans dienen kann.
OPTANO hat in vielen Projekten umfangreiche Erfahrung mit der Optimierung logistischer Netzwerke gesammelt. Wie ordnet sich der Linehaul Analyzer in dieses Portfolio ein und für welche Nutzergruppe ist er besonders geeignet?
Ein großer Teil unserer Lösungen zielt darauf ab, komplexe Logistik- und Distributionsnetzwerke möglichst vollständig abzubilden. Dabei können zahlreiche Abhängigkeiten innerhalb eines Netzwerks berücksichtigt werden.
Wir sind überzeugt, dass sich das tatsächliche Optimum oft erst dann zeigt, wenn ein Netzwerk umfassend modelliert wird. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass solche Optimierungen einen gewissen Reifegrad voraussetzen. Unternehmen müssen zunächst über ausreichend Daten verfügen und diese in einer Qualität bereitstellen können, die belastbare Ergebnisse ermöglicht.
Wenn sich dadurch große Einsparpotenziale erschließen lassen, lohnt sich dieser Aufwand natürlich schnell. In der Praxis erleben wir jedoch häufig, dass Unternehmen zunächst Vertrauen aufbauen möchten, bevor sie in eine umfangreiche Datenaufbereitung investieren. Genau an dieser Stelle setzt der Linehaul Analyzer an. Er ermöglicht einen einfachen Einstieg, mit dem sich erste Potenziale sichtbar machen lassen und so Vertrauen in mathematische Optimierung entsteht.
Die Lösung eignet sich deshalb besonders für Unternehmen, die bisher wenig Berührungspunkte mit solchen Ansätzen hatten und zunächst pragmatisch starten möchten. Wenn der Bedarf später wächst, lässt sich dieser Einstieg problemlos erweitern, da unser Portfolio zahlreiche weiterführende Optimierungslösungen umfasst.
Woran können Unternehmen erkennen, dass sich ein Blick auf ihren Linehaul-Fahrplan lohnt? Gibt es typische Anzeichen für ungenutzte Konsolidierungspotenziale?
Gerade wenn Fahrpläne selten ganzheitlich angepasst werden, sondern hauptsächlich ergänzt oder örtlich bzw. Kundengetrieben angepasst werden, kann sich eine Analyse des Netzwerkes lohnen.
Wenn Konsolidierungen außerdem überwiegend mit Tabellenkalkulationen oder auf Basis von Erfahrungswissen geplant werden, lohnt sich ein genauer Blick fast immer. Gerade in solchen Fällen bleiben Zusammenhänge im Netzwerk häufig verborgen.
Der erste Schritt ist dabei bewusst einfach gehalten: ein Gespräch. Nicht mit dem Ziel zu verkaufen, sondern um zunächst zu verstehen, wie das jeweilige Netzwerk aufgebaut ist und wo mögliche Ansatzpunkte liegen könnten.
Die Menschen aus Ostwestfalen, wo OPTANO herkommt, gelten als bodenständig und pragmatisch. Genauso gehen wir auch an solche Themen heran. Es geht nicht um Verkaufsrhetorik, sondern darum, reale Probleme zu lösen.
„Oft reicht ein Blick auf eine typische Woche, um erste Konsolidierungspotenziale sichtbar zu machen.“
Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen erfüllen, wenn sie den Linehaul Analyzer einmal ausprobieren möchten, und wie hoch ist der typische Aufwand?
Die Voraussetzungen zur Nutzung sind bewusst niedrig gehalten.
Im Grunde benötigen wir lediglich den aktuellen Fahrplan und grobe Auslastungsdaten, zum Beispiel für eine typische Woche. Dabei reicht oft schon eine ungefähre prozentuale Auslastung der Fahrzeuge aus.
Wenn stattdessen Sendungsdaten mit Volumeninformationen vorliegen, können diese selbstverständlich ebenfalls genutzt werden.
Diese Daten laden wir in den Linehaul Analyzer und führen darauf eine erste Analyse durch. Anschließend lassen sich die Parameter schrittweise anpassen und die Ergebnisse iterativ weiterentwickeln. Oft schauen wir uns nach einem ersten Gespräch gemeinsam eine Beispielwoche an und analysieren das Netzwerk zusammen. So lässt sich sehr schnell erkennen, wo mögliche Potenziale liegen könnten.
Linehaul-Netzwerke sind komplex und oft über Jahre gewachsen. Umso schwieriger ist es, im operativen Alltag den Überblick über mögliche Konsolidierungspotenziale zu behalten. Genau hier können datenbasierte Analysen helfen, bestehende Strukturen systematisch zu hinterfragen und neue Perspektiven auf gewohnte Fahrpläne zu eröffnen.
Wer sein eigenes Netzwerk einmal aus dieser Perspektive betrachten möchte, kann das gerne gemeinsam mit uns tun.