Usability ist ein sehr wichtiger Aspekt, wenn es um das Thema Softwareentwicklung geht. Dem Nutzer fällt gute Usability allerdings fast gar nicht auf. Man bemerkt eigentlich nur, wenn sie fehlt: wenn man häufig nicht mehr weiß, wie der Workflow abläuft; wenn der Knopf doch nicht da ist, wo man ihn erwartet hatte oder Software einfach nicht tut, was man von ihr will. Gute Usability ermöglicht einen Workflow. Die Arbeit geht leicht von der Hand und alles funktioniert ganz selbstverständlich. Aber Software und insbesondere individuelle Software so zu gestalten, dass man damit wirklich in einen Flow gerät, ist gar nicht so einfach. Wir verraten hier unseren Usability-Ansatz und das neueste Feature für OPTANO.

Schnelles Denken, Langsames Denken

Genau diesen Flow thematisierte ein Workshop, den wir im Rahmen einer Weiterbildungswoche veranstaltet haben. Und weil uns Usability so wichtig ist, reicht es uns nicht, einen oder zwei Experten auf dem Gebiet zu haben. Deshalb waren alle unsere Mitarbeiter dabei.

Vor allem die Theorie des schnellen und langsamen Denkens nach Daniel Kahnemann[1] hat uns noch einmal einen neuen Blick auf unsere Arbeit im Bereich Usability eröffnet:

Ganz kurz zusammengefasst geht es bei Kahnemann darum, dass wir in uns zwei unterschiedliche Systeme haben, die für unsere Entscheidungen zuständig sind. System 1 (das schnelle Denken) übernimmt in Situationen, die wir kennen oder in denen wir zumindest aus bekannten Situationen Rückschlüsse ziehen können. Das ermöglicht uns, unbewusst und routiniert zu handeln – denn wir wissen ja schon, was von uns erwartet wird und was wir zu tun haben. Dieses Denken ist besonders schnell und effizient, da es nur wenig Ressourcen fordert. Beispielsweise übernimmt System 1 einfache Rechenaufgaben (2+2) oder das Steuern eines Autos (nachdem man es einmal gelernt hat).

Im Gegensatz hierzu ist der Einsatz von System 2 (das langsame Denken) aufwendiger – es ist, wie der Name schon sagt, langsamer und kostet mehr Energie. Diese Art zu Denken wird immer dann notwendig, wenn wir uns mit Situationen konfrontiert sehen, die wir noch nicht kennen und in die wir uns erst mühsam einarbeiten müssen. System 2 übernimmt beispielsweise schwierige Rechenaufgaben (17×26). Außerdem ist es für die Kontrolle der Entscheidungen von System 1 zuständig. Leider nimmt es diese Aufgabe nicht immer ernst und so unterlaufen in System 1 häufiger kleine Fehler. (Aber dafür gibt es ja unsere Validierung der Daten.)

Nur der Kunde weiß die Antwort

Für unsere Softwareentwicklung bedeutet das natürlich das Ziel, den Nutzer mit unserer Software möglichst lange in System 1 zu halten. So kann er die Arbeit routiniert erledigen und verbraucht nicht unnötig Energie, weil ein Button nicht an der erwarteten Stelle ist oder ein unübliches Wort benutzt wird. Eine Softwareoberfläche muss demnach wiedererkennbar und intuitiv nutzbar sein, also einfach die gerade erwartete Funktion an genau der richtigen Stelle aufweisen. Alle relevanten Informationen müssen angezeigt werden, Maskenwechsel, um eine Entscheidung zu treffen, sollen vermieden werden.

Doch lassen sich für diese Herangehensweise natürlich keine allgemeingültigen Regeln festlegen. Es hängt stark von der Nutzergruppe ab, welche Gewohnheiten überwiegen. Auch die unterschiedlichen Perspektiven, aus denen Anwender die Software sehen, müssen berücksichtigt werden. Das Wording ist ebenfalls ein wesentlicher Bestandteil in diesem Prozess: Alle Anwender der Software müssen bei jeder Bezeichnung direkt wissen, was damit gemeint ist. Und jede Branche hat natürlich ihre ganz eigenen Begriffe. Deshalb ist so wichtig, dass wir den späteren Anwender mit allen Perspektiven bereits in der Entwicklung einbeziehen und sicherstellen, dass es für alle stimmig und intuitiv ist.

Glücklicherweise arbeiten wir auf diese Weise schon lange mit Anwendern zusammen.  In unseren Projekten sind die späteren Anwender die Experten für die fachlichen Anforderungen. Und das funktioniert richtig gut. Allerdings passiert es manchmal, dass sich die beteiligten Anwender im Entwicklungsprozess so sehr in die Software eindenken, dass ihnen die Nutzung trotz komplexer Prozessabläufe mit System 1 möglich ist. Doch für andere Anwender, die im Entwicklungsprozess nicht beteiligt waren, ist es schwierig, die Prozesse so tief zu durchdringen: Sie müssen System 2 verwenden. Dann ist es an uns eine Lanze für Usability und damit für Einfachheit zu brechen. Denn genau darin liegt das Gute: Dann wird Software gerne und fehlerfrei verwendet.

Neues Feature

Doch nicht nur die Einbindung unserer Kunden ist ein Weg zum Ziel. Wir arbeiten natürlich weiter daran unseren Kunden den Umgang mit OPTANO zu vereinfachen. Gerade entwickeln wir ein Szenario-Dashboard. Die Wünsche dazu haben wir unterschiedlichen Kundenprojekten entnommen und das neue Dashboard bereits in diesen Projekten evaluiert. Deshalb wird es als neues Feature für alle Projekte zur Verfügung stehen.

Dieses Dashboard bietet einen Szenario-Leitfaden mit dem empfohlenen Workflow. Man wird also anhand des Dashboards durch ein Szenario geleitet und kann alle notwendigen Daten in der richtigen Reihenfolge bearbeiten. Außerdem wird im Dashboard angezeigt, welche Schritte schon erledigt wurden und wo weitergemacht werden sollte. So kann der Nutzer auf einen Blick sehen, wie der Status des gewählten Szenarios ist. Der Nutzer muss sich also nicht mehr merken, wie weit er in welchem Szenario gekommen ist und welche Schritte nun folgen. Auch die gemeinsame Arbeit an Szenarien ist wesentlich einfacher, denn die Übergabe kann das Dashboard übernehmen.

Natürlich wird das Szenario-Dashboard für jeden Kunden so angepasst, dass der Workflow zum Planungsprozess passt. Das in der Grafik gezeigte Mockup ist nur eine von vielen Möglichkeiten.

Mockup des Szenario-Dashboards

Wir haben die Segel gesetzt auf dem großen Meer des Feedbacks. Wir sind sehr gespannt, wohin uns diese Reise noch führen wird. Wir werden ganz sicher an dieser Stelle wieder darüber berichten.

[1] : Daniel Kahneman: Schnelles Denken, Langsames Denken, 2011

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