Szenario Generierung

Ein wesentlicher Aspekt in der strategischen Planung ist die hohe Unsicherheit. Wie geht man damit um? Die pauschale Antwort auf diese Frage sind robuste und flexible Entscheidungen. Jede Planung sollte auch unter veränderten Bedingungen bestehen, um in jedem Fall optimale (Unternehmens-)Ergebnisse zu erzielen. Mehr zu diesem Thema gibt’s in unserem Blog Planung unter Unsicherheit: Wie geht man damit um? Heute geht’s um Szenario-Generierung – also um den Weg zur optimalen Planung…

Mit Szenarien die Zukunft gestalten?

Wie kommt man also zu einer robusten und flexiblen Entscheidung, die zudem noch für die Zukunft gilt? Allgemein fällt es schwer, sich eine Realität vorzustellen, die so ja noch gar nicht existiert. Unsere Vorstellungskraft scheitert hier an folgendem Punkt: Es gibt nicht nur eine, sondern eine Vielzahl an möglichen Zukünften. So viele Möglichkeiten, wie sich die Welt weiterdreht. Wo das menschliche Vorstellungsvermögen endet, kommt für eine optimale Planung unter Unsicherheit die Szenario-Generierung ins Spiel.

Szenarien als Basis für ein „Gutes Morgen!“

Um sich aktiv auf die Zukunft vorzubereiten – und zudem Unsicherheiten in der Planung abzubilden – werden Szenarien verwendet. Sie sind jedoch keine Phantasievorstellungen in die Wünsche oder Ängste von Managern oder Planern projiziert werden.

Szenarien sind Entwürfe möglicher Zukunftsentwicklungen – beispielsweise bezüglich Nachfrage, Marktentwicklung, Preisentwicklung, und Kosten – auf Basis der aktuellen Situation sowie zu erwartender Trends und Veränderungen in der Zukunft. Sie sind kein Selbstzweck. Aus ihnen können Unternehmen Maßnahmen und Handlungsoptionen z. B. in der Produktionsplanung ableiten und für jedes Szenario definieren.

Als Faustformel gilt: ein Szenario umfasst nur die Aspekte, die ein Unternehmen nicht selbst beeinflussen kann.

Schon gewusst?

Die Anfänge der Szenariotechnik gehen auf militärstrategische Planungen der USA zu Beginn der 50er Jahre zurück. Der Begriff „Szenario“ kam auf, als der Stratege und Futorologe Herman Kahn seine hierfür entwickelten militärischen Planspiele Szenarien nannte.

In der westlichen Unternehmenswelt wurde die Szenariomethode bedeutsam, als es in den 70er Jahren vermehrt zu Unsicherheiten in Wirtschaft und Politik kam. Auslöser hierzu war die Ölkrise. Prognosen als Planungsinstrument reichten bei dem instabilen Wirtschaftssystem nicht mehr aus. Strategische Planung inklusive der Szenario-Methode wurden wichtigstes Instrument für die Unternehmensplanung – bis heute.

Szenarien unterstützen aber auch bei der Überprüfung aktueller Unternehmensplanungen und -strategien. Denn es geht auch darum, deren Robustheit zu testen, evtl. Schwächen aufzuzeigen und Anpassungen vorzunehmen – mit Blick auf das optimale Ergebnis. Mehr zum Thema Robustheit und Flexibilität gibt es im Blog Planung unter Unsicherheit: Wie geht man damit um?

Szenario-Generierung

Technologische Basis für die Planung unter Unsicherheit sind geeignete Szenario-Generatoren. Für die mit ihnen erzeugten Szenarien gibt es jedoch hohe Qualitätsanforderungen, denn sie bilden die Grundlage für eine optimale Planung.

Anforderungen, denen Szenarien gerecht werden sollten sind:

  • Konsistenz
  • Vollständigkeit
  • Beherrschbarkeit

Konsistenz

Jedes Szenario sollte in sich konsistent – also widerspruchsfrei – sein. Beispielsweise könnte es sein, dass eine gestiegene Preis-Elastizität in Kombination mit einer gesunkenen Marktnachfrage sehr unwahrscheinlich ist, wenn beides eng mit dem Wirtschaftswachstum verknüpft ist.

Außerdem ist zu berücksichtigen, dass die Unsicherheit typischerweise mit der Langfristigkeit der Prognose steigt. Dieser Aspekt sollte ebenfalls in den Szenarien zu erkennen sein.

Vollständigkeit

Die Szenarien sollten den Raum der möglichen zukünftigen Entwicklungen möglichst vollständig abdecken. Dies beinhaltet nicht nur Extrem-Punkte, sondern z.B. auch Variabilität im Zeitverlauf.

Abbildung 1 zeigt ein Beispiel für einen einfachen Szenario-Generator: Hierbei wird die Variabilität z. B. der Nachfrage/Marktentwicklung im Zeitverlauf nicht berücksichtigt.

Abbildung 2 zeigt dagegen Szenarien mit hoher Varianz im Laufe der Zeit.

Abbildung 1 – Beispiel für einen einfachen Szenario-Generator ohne Variabilität im Zeitverlauf

Szenario-Generator mit Variabilität im Zeitverlauf

Abbildung 2 – Beispiel für einen Szenario-Generator mit Variabilität im Zeitverlauf

Die Abbildungen verdeutlichen, dass für Szenarien eines einfachen Szenario-Generators viel weniger Flexibilität erforderlich ist, als für Szenarien, die zusätzlich die Variabilität im Zeitverlauf berücksichtigen. Für die Planungsstrategie ist es deshalb wesentlich, wirklich alle möglichen Zukunftsentwicklungen zu berücksichtigen.

Beherrschbarkeit

Die Anzahl der Szenarien muss begrenzt sein, um eine ausreichend schnelle Rechenzeit zu erreichen. Zudem sollte die Menge der Szenarien nicht zu stark ansteigen, wenn weitere Aspekte der Unsicherheit wie beispielsweise Wechselkurse oder zusätzliche Märkte berücksichtigt werden.

Einfache Szenario-Generatoren erzeugen beispielsweise zunächst für jede Unsicherheit individuell Teil-Szenarien und kombinieren anschließend jedes mit jedem Teil-Szenario zu einem Gesamt-Szenario. Dies führt bei 5 Marktregionen mit den Nachfrage-Ausprägungen „gering“, „normal“ und „hoch“ zu noch gut überschaubaren 243 Szenarien. Wenn man den Markt jedoch etwas detaillierter betrachten möchte und 10 Regionen mit jeweils 5 Ausprägungen verwendet, erhält man bereits fast 10 Mio. Szenarien.

Hinzu kommt, dass der Aspekt der Variabilität im Zeitverlauf noch nicht berücksichtigt wurde – der Raum der möglichen Entwicklungen ist also bei fast 10 Mio. Szenarien noch gar nicht vollständig abgedeckt.

Scheint also, dass der Anspruch der Vollständigkeit im Widerspruch steht zum Aspekt der Beherrschbarkeit. Wie also ist beides zugleich realisierbar?

Hierfür gibt es zwei Ansätze, die auch miteinander kombiniert werden können:

  • Zunächst wird eine große Anzahl Szenarien erzeugt und diese anschließend z. B. mit Hilfe von DEO (Design of expirement) reduziert

und/oder

  • Die Szenarien werden gezielt so erzeugt, dass sie bereits mit einer vergleichsweise geringen Anzahl gute Eigenschaften aufweisen.

Insbesondere gilt es also, konsistente Szenarien zu erzeugen, die den Raum der möglichen Entwicklungen vollständig ausfüllen und gleichzeitig in ihrer Anzahl beherrschbar sind.

OPTANO und Szenario-Generierung

Für OPTANO wurde ein Szenario-Generator entwickelt und implementiert, der eine optimale Balance zwischen allen genannten Anforderungen findet und als Ergebnis eine geeignete Auswahl an Szenarien liefert.

Die mit dem Szenario-Generator erzeugten Szenarien bilden die Basis für die weitere Vorgehensweise von Planung unter Unsicherheit: Es gilt, den Anwender bei der Entwicklung geeigneter Lösungen und Strategien bspw. bei der Investitions- oder Produktionsplanung optimal zu unterstützen. Als mögliche Methode gibt es hier die Stochastische Optimierung – ein spezialisiertes Verfahren zur Modellierung und Lösung von Optimierungsproblemen unter Unsicherheit.

Stochastische Optimierung als weiterer Schritt zum optimalen Ergebnis von Planung unter Unsicherheit und als weiteres Thema unseres OPTANO-Blogs: Mehr hierzu im nächsten Blog.