OPTANO Logistics

Heute möchten wir uns in die Welt des Logistikers begeben und diese mit seinen Augen betrachten. Was wirklich nicht einfach ist, denn die Logistik von heute ist geprägt von höheren Transportgeschwindigkeiten, größeren Kapazitäten und unterschiedlichsten Massendaten, hervorgerufen durch die zunehmende Vernetzung und Informatik. Zusammen bieten diese eine Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten. Doch wie soll der Logistiker entscheiden, welche die beste Lösung ist?

Mathematische Optimierungsverfahren ermöglichen Logistikern die Möglichkeiten abzuwägen und die beste auswählen. Doch  neben konkreten Handlungsempfehlungen kann gute Planungssoftware noch viel mehr bieten. Was genau betrachten wir im nächsten Beitrag zu unserem Blueprint OPTANO Logistics. Denn schon bei dem ersten Gespräch mit unseren Experten zu diesem Artikel wurde schnell klar, wie umfangreich das Feld der Logistik ist. Also betrachten wir heute zunächst einmal die Welt der Logistik näher:

Es war einmal…..

Der Bau der Pyramiden – eine logistische Meisterleistung

Würde heute der Bau einer Pyramide in Auftrag gegeben, müssten die Steinblöcke aus den Steinbrüchen ganz Europas herangeschafft werden. Eine Pyramide besteht aus rund 2,6 Millionen Steinblöcken mit einem Mindestgewicht von 2,5 Tonnen pro Block. Mehr als 5 Jahre wäre ein Bauunternehmen mit diesem Projekt beschäftigt. Diese Zahlen lassen erahnen, wie groß die Herausforderung der Bau der Pyramiden in Ägypten um 2550 vor Christi gewesen ist. Organisation, Transport und Lagerung der riesigen Steinblöcke waren perfekt geplant – eine Meisterleistung der Logistik.*

Logistik heute

Vor allem für die Industrienationen hat die Logistik in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen und ist heute einer der wichtigsten Begriffe der Wirtschaft. In Deutschland ist die Logistik einer der größten Wirtschaftsbereiche nach der Automobilindustrie und dem Handel. Sie ist besonders wichtig geworden, da über Lohn- und Produktionskosten in Betrieben kaum Einsparungen realisierbar sind. Logistik ermöglicht jedoch die Nutzung von Skaleneffekten:  Automobilhersteller zum Beispiel betreiben ein weltumspannendes Netz: Achsen, Motoren, Getriebe und Fahrzeuge werden an unterschiedlichen Orten produziert. Das erhöht die Effizienz – setzt aber gut abgestimmte Logistiksysteme voraus. Höhere Kapazitäten bei Transport und Lagerung, gesteigerte Geschwindigkeiten sowie die zunehmende Vernetzung vergrößern den Spielraum des Logistikers und bieten ihm eine Vielzahl an Handlungsmöglichkeiten.

Logistik steht für den Transport und die Lagerung von Waren. Die Fragestellung des Logistikers lautet: Wie gelangen Waren bzw. Güter – beispielsweise Teile für die Produktion – so schnell wie möglich von einem Standort zum nächsten?

Auch die Sechs-R-Regel beschreibt treffend den sogenannten logistischen Auftrag:

  •  die richtige Ware
  • zur richtigen Zeit
  • am richtigen Ort
  •  in der richtigen Menge
  •  in der richtigen Qualität
  •  zum richtigen Preis (Kosten)

Dass die Hauptziele und die Bedeutung der Logistik einer stetigen Weiterentwicklung unterliegen, zeigt die Erweiterung der Regel, die mittlerweile auch 7R+ genannt wird und somit zukünftige Erweiterungen – basierend auf Industrie 4.0 und dem Internet der Dinge – nach oben offen ermöglicht. Das Hinzufügen

  • der richtigen Informationen

ergibt sich durch den Bedarf alle logistischen Vorgänge in sogenannten ERP-Systemen informationstechnisch abzubilden.

  • Die richtige Verpackung

– wie Paletten, Container oder Ladungsträger – hat in der letzten Zeit stark an Bedeutung zugenommen. Statt wie bisher unter dem Aspekt „richtiges Produkt“ abgedeckt zu werden, wurde die Verpackung als neue Kategorie zu den Sieben R der Logistik hinzugefügt. Dies auch mit Hinblick darauf, dass Verpackungen zunehmend intelligenter (smarter) werden und in Zukunft selbständig Daten, wie Orts- und Mengenangaben kommunizieren.

Logistik-Konzepte

Die Aufgabe des Logistikers ist es, die Herausforderungen jeder Logistik-Augabe bezüglich Zeit, Raum, Kapazität und Kosten so aufeinander abzustimmen, dass die bestmögliche Lösung entsteht. In der Beschaffungspolitik, auf die wir uns heute konzentrieren, gibt es verschiedenste Zulieferkonzepte. Unter Berücksichtigung der Vor- und Nachteile soll als Ergebnis das richtige Konzept gewählt werden, das jedoch auch eine Kombination der einzelnen Zulieferkonzepte sein kann. Was wiederum die Komplexität der Aufgabe erhöht.

Gebietsspeditionskonzept (Konsolidierung)

Beim Gebietsspeditionskonzept werden Lieferungen zunächst von allen Zulieferern in einem räumlich begrenzten Gebiet eingesammelt und zu einem Umschlagpunkt, beispielsweise einem Logistikzentrum, gebracht (pre-leg). Hier werden die verschiedenen Lieferungen konsolidiert und anschließend als gebündelte Sendungen zum Produktionswerk des Abnehmers transportiert (main leg). Eine Vereinzelung und getrennte Zustellung im Zielgebiet ist ebenfalls möglich ( subsequent leg).

Abbildung – Gebietsspeditionskonzept

Ziele und Vorteile, die sich durch die Beauftragung eines Gebietsspediteurs ergeben:

  • bessere Auslastung der Transportfahrzeuge durch Zusammenfassen der Teillieferung und, wenn möglich, Ausgleich von Lastspitzen durch Lagerung am Umschlagsort
  • Minimierung der Anzahl eingehender Fahrzeuge durch die Bündelung von Einzelsendungen, insbesondere wenn am Umschlagsort sortiert werden kann
  • Senkung der Transportkosten durch Sammellieferungen
  • Vereinfachung der Terminsteuerung durch zentrale Umschlagpunkte

Um das Gebietsspeditionskonzept einsetzen zu können, sind jedoch einige Aspekte zu berücksichtigten:

  • Die verschiedenen Güter müssen geeignet sein für einen gemeinsamen Transport.
  • Die Waren sind nicht allzu eilbedürftig und werden regelmäßig nachgefragt.
  • Damit die Effizienz dieses Konzepts so hoch wie möglich ist, sollten die Zulieferer eine hohe räumliche Konzentration aufweisen , der Hauptlauf sollte einen möglichst hohen Anteil an der Gesamtstrecke einnehmen.

Das Milkrun-Konzept

Milkrun steht für ein Zulieferkonzept, bei dem von einem oder mehreren Transportunternehmen nacheinander verschiedene Lieferanten angesteuert werden und letztendlich das Produktionswerk des Abnehmers. Das Ergebnis ist ein sogenannter Transportkreislauf. In diesem Kreislauf können gleichzeitig Güter und Leergüter ausgeliefert bzw. aufgenommen werden. Dieses Konzept basiert auf dem Prinzip des amerikanischen Milchmannes, der bei seiner Milchlieferung auch immer gleich das Leergut aufnimmt. Allerdings liegt nahe, im Informationszeitalter nur die Lieferanten anzufahren, die auch Ware abgeben sollen. Der Milchmann musste noch an jeder Tür vorbeifahren.

Milkrun

Abbildung – Milkrun-Konzept

Ziel des Milkrun-Konzepts ist eine maximale Fahrzeugauslastung bei zeitgleicher Minimierung der Anzahl von Leerfahrten. Die feste Planung von Fahrstrecken und Zustellzeiten führt zu einer Reduzierung der Lagerhaltung bei Betrieben, die diesem Kreislauf angeschlossenen sind.

Weitere Vorteile des Milkrun-Konzepts

  • geringere Transportzeiten und Transportkosten durch wenige Umschlagvorgänge
  • Route und Wiederbeschaffungszyklus sind festgelegt
  • Möglichkeit von Just-in-Time-Lieferungen
  • geringe Kapitalbindung und Lagerkosten durch kleine Lagerbestände
  • Berücksichtigung der Entsorgungslogistik
  • Eine hohe Auslastung und gute Planbarkeit für den Spediteur – es ist kein Geschäft zum Auffüllen der Rückfahrt erforderlich, so dass geringe Preise angeboten werden können

Herausforderungen des Milkrun-Konzepts

  • Güter müssen möglichst konstant nachgefragt werden, eine dynamische Verteilung der Kapazität zwischen den beteiligten Lieferanten erfordert eine hohe Prozessgüte
  • Lieferzeitfenster und Transportvolumen müssen berücksichtigt werden und führen zu einer zeitintensiven Planung

Direktverkehr

Beim Direktverkehr werden die Güter ohne Wechsel des Transportmittels vom Zulieferer zum Produktionswerk des Abnehmers geliefert. Die Vorteile – aber auch die damit einhergehenden Nachteile – liegen auf der Hand: Die Güter können – da Umladungen entfallen – ohne Zeitverlust, flexibel und ganz nach individuellen Vorgaben beim Produktionswerk angeliefert werden. Natürlich ist der Transport auf diesem Weg mit höheren Kosten verbunden, denn eine Auslastung der Transportfahrzeuge ist nicht gewährleistet. Mit Hinblick auf die steigenden Anforderungen an das Zeitmanagement in der Produktion ist der Direktverkehr aber dennoch nicht unüblich. Ein besonderer Vorteil liegt in der Reihenfolge der Ladung: Es können relativ einfach Sequenzen eingehalten werden (erforderlich für Just-in-Sequenz Prozessketten).

Ein- oder Mehrwegverpackungen?

Bedenkt man, dass Verpackungen den gesamten Logistikprozess begleiten – von der Produktion, über sichere Lagerung und Transport bis hin zum komfortablen Handling – wird klar, wie groß ihr Einfluss ist auf die Effizienz von Supply Chain und Logistik. Dies macht es dem Logistiker, der die Entscheidung für die passende Verpackung treffen muss, nicht leichter. Häufig gibt es keine strategischen Verpackungsentscheidungen, sondern die Entscheidungen werden von Fall zu Fall neu getroffen. Die Wahl der Verpackungen wird zunächst beeinflusst von der Frage nach Ein- oder Mehrwegverpackung.

Einwegverpackung

Wie ihr Name schon sagt, unterscheidet sich die Einwegverpackung von der Mehrwegverpackung dadurch, dass sie einmalig genutzt und anschließend entsorgt wird. Zu den im Im- und Export wohl gängigsten Verpackungslösungen gehören die Einwegpaletten aus Holz sowie Kartonagen und Stretchfolien. Sondergrößen von Maschinen oder Teilen erfordern speziell angefertigte Verpackungen – beim einmaligen Transport als Einweg.

Weitere Gründe für die Einwegverpackung können sein:

  • Einweg ist oft leichter und günstiger (je länger der Umlauf dauert, umso mehr Mehrweg-Ladungsträger werden benötigt)
  • die Aufbereitung und Reinigung ist ökonomisch zu aufwendig und nicht vertretbar
  • Platzersparnis und reduzierte Leergutrücktransporte

Diese Gründe zielen alle auf eine Kostenersparnis der Verpackung ab. Jedoch rückt in Zeiten von Ressourcenverknappung immer mehr der ökologische Aspekt in den Fokus – unter anderem durch den Druck von Umweltauflagen. Somit kann gesagt werden, dass Einweg zwar praktisch ist – und für viele Transporte auch noch der richtige Weg – aber unter ökologischen Gesichtspunkten nicht immer vertretbar.

Mehrwegverpackung

Mehrweg gewinnt immer mehr an Bedeutung. Transportverpackungen, die mehrfach verwendet werden, wirken sich natürlich ökologisch aber oft auch ökonomisch vorteilhaft aus. Die Reduktion von Aufwand und Kosten für die Entsorgung sowie sauberere Produktionsflächen durch den Wegfall von Staub, Splittern und Verpackungsresten sind positive Nebeneffekte. Mehrwegverpackungen eignen sich vor allem für Branchen, die gekennzeichnet sind durch ständige Warenströme gleicher Produkte verschiedener Zulieferer und die Produkte herstellen, die in solche Behälter passen. Container, Europaletten, Gitter- und Kunststoffboxen, Big Bags und Ladungsträger sind nur einige Beispiele für Mehrwegbehälterkonzepte.

Mehrwegverpackungen in der Automobilbranche

Mehrwegverpackungen werden oft eigens konstruiert, um spezifischen Erfordernissen zu entsprechen. Spezielle Drehstapelbehälter für Stoßdämpfer oder passgenaue Behälter zur Sicherung von Elektrobauteilen um Beispiele aus der Automobilbranche zu nennen. Die Integration des Behältermanagements und Just-in-time Konzepten beschleunigt viele Abläufe beim Bau von Kraftfahrzeugen. Die Warenströme mit Zulieferbetrieben und die Produktion der Automobile gewinnen so stark an Effizienz.

Beim Transport-Kreislauf ist zu berücksichtigen, dass die Warenströme unsymmetrisch sind: Das Leergut entspricht nicht der Ladung der Anlieferung. Um den Rücktransport wirtschaftlich vorteilhafter zu machen, ist auch dieser Aspekt bei der Konstruktion von Verpackungen zu berücksichtigen. Boxen und Behälter werden klapp-, falt- oder drehstapelbar und so ihr Volumen enorm reduziert.

Ein weiterer Grund, der für den Einsatz von Mehrwegverpackung spricht, ist ihre Robustheit und der damit verbundene lange Lebenszyklus. Durch regelmäßige Reinigung und Aufbereitung kann dieser auf mehrere Jahre verlängert werden. Auf diesem Weg können auch die notwendigen Investitionen bei der Verwendung von Mehrwegverpackungen so minimal wie möglich gehalten werden. Ob der Einsatz von Kapital in die Mehrwegverpackung oder aber Anschaffungs-, Bevorratungs- und Entsorgungskosten von Einwegverpackungen die optimale Lösung bieten – das zu entscheiden ist wieder einmal Aufgabe des Logistikers.

Der Vollständigkeit halber sollten aber auch noch folgende Nachteile der Mehrwegverpackung genannt werden: Vor allem bei Spezialladungsträgern ist Vorsicht geboten: eine hohe Variantenvielfalt und kürzere Produktlebenszyklen lassen diese oft unwirtschaftlich werden. Nachteilig kann die Mehrwegverpackung auch sein, wenn es zu Engpässen der Behälter im Leerguthandling kommt.

Viele Lösungsmöglichkeiten und die Qual der Wahl

Die Komplexität der aufgezeigten Handlungsmöglichkeiten stellt den Logistiker vor eine große Herausforderung bei seiner Hauptfrage „Wie bekomme ich etwas so schnell und günstig wie möglich von einem Punkt zum nächsten transportiert?“

OPTANO unterstützt Logistiker bei der Beantwortung dieser Frage. Neben konkreten Handlungsempfehlungen erhält der Logistiker weitere Planungshilfen wie beispielsweise KPI-Werte, Kostenträgerrechnungen und Pick-up-Sheets. Wie diese konkret aussehen können, erfahren Sie im nächsten Blogbeitrag zum Blueprint OPTANO Logistics.